Vorfinanzierungsproblematik im Debitismus

Silke, Montag, 22.07.2019, 11:27 (vor 389 Tagen) @ Mephistopheles2994 Views
bearbeitet von Silke, Montag, 22.07.2019, 12:18

Mit deinen letzten Texten kommst du der Sache immer näher, lieber Meph.,

so wie sie @dottore und @Ashitaka transportieren wollten.

Das Vorfinanzierungsproblem (Vorher-nachher-Problem) besagt ja, dass ein existierendes System Kosten aus seiner Entstehung hatte, die es erst nach seiner Entstehung herein holen kann (Zeitablauf verursacht dabei eine Steigerung der Kosten).
Deshalb muss es von anderen Systemen vorfinanziert werden, die aber wiederum das gleiche Problem haben, so dass Vorfinanzierung in summa überhaupt nicht darstellbar sondern nur simulierbar ist indem die Gesamtheit aller Systeme aufschulden muss.

Du hast in deinen Überlegungen einen grundsätzlichen Aspekt noch nicht mit verbaut - die Notwendigkeit evolutionärer Wandlung in einem sich wandelnden Umfeld, das für einen stationären Betrieb keine Chance lässt, auch wenn alte weis(s)e Männer sich diesen herbei sehnen.
Das ist auch bei O.Spengler nicht sauber heraus gearbeitet.

Eine Vorfinanzierung in summa kann im Debitismus überhaupt nicht geleistet werden (alles und jeder im D. ist verschuldet), sondern immer nur eine Vorfinanzierung einzelner Teile/Prozesse auf Kosten von irgendwem oder irgendwas anderem.
Genauer formuliert:
Nur die Simulation einer Vorfinanzierung ist möglich, da im Debitismus alles existierende schon verschuldet ist und somit eine selektive Höherverschuldung praktiziert werden muss.
Die Simulation wird stets nur durch zusätzliche selektive und diskrete Verschuldung (Aufschuldung) in die Realität überführt, von der immer nur die einen Teilnehmer mehr profitieren und die anderen Elemente in gleicher Höhe nicht profitieren können.

Wollen also z.B. Eltern die Existenz ihrer Kinder vorfinanzieren, weil die Kinder noch nicht für ihre Existenz selbst sorgen können, müssen sie die eigene Existenz riskieren (eigene Ressourcen abgeben und damit eigenes Überleben riskieren) oder andere Lebewesen zum Fallieren zwingen, indem sie denen Potential/Ressourcen weg nehmen (Pflanzen, Tiere, andere Menschen ausbeuten, dass die sich nicht weiter entfalten können = fallierende Nachschuldner).

Tja, wo blieben sie denn, die Exporte von koreanischen Druckerzeugnissen
nach Europa vor 500 Jahren?

Ihre evolutionäre Wichtigkeit (Passivum) konnte noch nicht realisiert werden (Aktivum).
Niemand war zu diesm Zeitpunkt an diesem Ort zur Vorfinanzierung befähigt.

Eine Erfindung bewirkt gar nichts, wenn sie nicht ständig
weiterentwickelt wird.

Wenn sie nicht zur Entfaltung führen kann, wie die römische Dampfmaschine, die damals noch niemand brauchte, ausser die Kinder als Spielzeug, weil Sklaven billiger und verbreiteter waren als Maschinen für die Wirtschaft während sie in der Armee sehr wohl ihren Platz hatten wie z.B. Balliste.

Gutenberg könnte sich sein Druckverfahren längst
abschminken, wenn nicht zwischenzeitlich die Papierherstellung und der
Druck ständig verbessert worden wäre.

Die Zentralmachtsysteme haben die Bedeutung vom Medium "Buchdruck" für sich verwertet, als es erforderlich wurde.
Profitiert wurde vom damals gepflegten Ablasshandel.
Dazu musste aber jeder Mensch ein Bibel-Exemplar in seinem Zugriffsbereich bekommen, damit die Hörigkeit in die religiöse Gesetzgebung, die Deutungshoheit über die Welt und das Vertrauen in die Sanktionsfähigkeit der religiösen Strukturen (Gott sieht alles) effektiver in den einzelnen Menschen verankert werden konnte (zusätzlich zu den Pfaffen die Verbreitung nicht natürlicher Personen, wie einer Jesus-Figur und einer Kampfschrift).
Das wurde durch die Druckkunst erreicht, indem die heilige Schrift und die Beschreibungen und Bescheinigungen der Entlastungsmöglichkeiten umfassender vervielfältigt werden konnten.

Bedauerlich ist, dass das selbst hier im Debitismusforum kaum einer
kapiert. Ständige Verbesserungen sind erforderlich, weil ansonsten niemals
die Vorfinanzierungskosten wieder eingebracht werden können.

Vorfinanzierungskosten sind uneinbringbar.
Sie sind vor Ertragserbringung fällig.
Deshalb kann Vorfinanzierung nur simuliert werden.
Die Simulation ist aber immer teurer, als eine ordentliche Finanzierung, weil Zeit abläuft, die kostet.
Deshalb existiert der systemische Aufschuldungszwang.

Niemand kann heute mehr drucken wie Gutenberg, ja, mehr noch, man hätte
die Erfindung Gutenbergs längst vergessen.

Meine Enkel können es noch mit den zusammensetzbaren Stempelsets und mit einfachem Kartoffeldruck.
Sie können sich auch Papier dafür selber herstellen.

Oder die Bibel wäre das
einzige Druckwerk, das noch gedruckt werden würde - als Fronarbeit von
Ministranten.
Eine Erfindung wird dann vergessen, wenn sie nicht ständig angewendet
wird.

Sie wird wieder entdeckt, wenn sie wieder gebraucht wird, weil sie in unserem Pool der Möglichkeiten aufgenommen wurde wie die Antikythera auch.

Damit sie anwendbar bleibt, muss die Vorfinanzierung ständig bedient
werden.

Sie muss per Aufschuldung realisiert werden.
Kinder lernen das Drucken nur, wenn Erwachsene es ihnen zeigen und sie das machen lassen, indem sie dafür eigenes Potential und Ressourcen opfern (Zeit, Energie,Kraft - die eigentlich für die Verteidigung der eigenen Handlungsräume und Optionen benötigt wird).
Deshalb schaffen viele Erwachsene nicht mehr die Belastung und das Ausnutzen der Chancen durch Kinder, weil sie um ihr eigenes emotionales oder sogar existenzielles Überleben kämpfen müssen (es zumindest so erleben, wie @der Chris beschrieben hat) und nicht verstehen, dass die Kinder der einzige Teil von ihnen sind, der ihnen die wahre Unsterblichkeit ermöglicht.

Wenn das nicht möglich ist, wird die Erfindung vergessen.

Bis zu ihrer Wiederentdeckung.
Nichts geht verloren, was einmal in der Welt ist.

Ihr glaubt wohl, ich erzähle euch nur ein Schauermärchen, wenn ich euch
sage, in 300 Jahren weiß niemand mehr, wie man Autos baut,aber es ist
tatsächlich so.

Das Umfeld wird sich so verändert haben, dass Autos nicht mehr das optimale Mittel zur Zusammenarbeit sein werden, da Personen und Güter nicht mehr im heutigen Umfang und nach heutiger Art durch die Welt transportiert werden müssen.

In 2 bis
3 Jahrhunderten wird niemand mehr wissen, wie man Autos baut oder Flugzeuge
oder Fernseher oder Computer oder Kühlschränke,

Wozu auch?
Bewegung und Kommunikation wird gross teils über ein Internetz oder über andere Medien und Wege erfolgen (Informationstransport reicht, wie Anton Zeilinger und Co. bewiesen haben).

niemand wird mehr wissen,
wie man Infektionskrankheiten behandelt.

Durch Resilenz und nicht mit Medikamenten und schulmedizinischem Unfug, aber auch nicht mit inkompetenten "alternativem" Heilerzeug.
Das kann unser Mikrobiom und unser Körper ganz allein, wenn wir ihn nur lassen und dabei nicht behindern und stören.
Die körpereigene Abwehr kann sich viel schneller und effektiver den Mutationen und der Selektion, drift und shift unterliegenden Mikrobenstämmen anpassen, als es die Pharmaindustrie je leisten könnte.

oder wie man bei einem Herzinfarkt
das physische Sterben hinauszögern kann

Es wird systemisch geächtet sein.

und noch ein paar Jshrhunderte,
dann wird niemand mehr wissen, wer die Städte gebaut hat oder die
Autobahnen.

Niemand wird sie mehr brauchen.
Alle "Materie" besteht im Wesentlichen aus nichts und der Wirkung dazwischen und ist Ableitung des Geistes.

Man wird nicht wissen, wozu die da sind. Man wird sagen, das
waren Aliens, die von fremden Sternen hierherkamen, das alles geschaffen
haben und dann wieder verschwunden sind.[/i][/link]

Es werden Story's erzählt und strafrechtlich geschützt werden, wenn Machtstrukturen dieses erfordern.

Bereits eine Generation, die eine einmal gemachte Erfindung nicht mehr
anwendet, genügt, und das Wissen ist vergessen.

Aber nicht verloren.
Es wird wieder entdeckt, wenn es nötig wird "…if it is nessesary" ("Der Konflikt/Streit/Krieg ist der Vater aller Dinge").

Der Debitismus ist da gnadenlos. Niemals können die
Vorfinanzierungskosten einer Erfindung jemals getilgt werden.

Das ist der Punkt.
Eine Vorfinanzierung kann nicht geleistet, sondern nur simuliert werden, weil alles, was existiert bereits verschuldet (Urschulden) ist.
1x1 des Debitismus.

Der Debitismus und daraus besonders die Eigentumsökonomik in Verbindung mit der zu berücksichtigenden Machttheorie, Systemtheorie und Simulationstheorie erklärt voll umfänglich, wie diese Realisation einer Simulation der Vorfinanzierung erfolgt - stets auf Kosten von weniger Wehrhaften zu Gunsten von mehr Wehrhaften in Systemen, die ihre sämtlichen Elemente möglichst effektiv zum eigenen Überleben benutzen müssen.

Die Erfindung
wird vergessen. Erst durch die verbesserte Version können die
Vorfinanzierungskosten für die Vorgängerversion getilgt werden, die
verbesserte Version erfordert aber noch mehr Vorfinanzierungskosten.

Das ist noch dein Denkfehler...
Vorfinanzierungskosten werden nicht getilgt.
Die Tilgungssimulation wird realisiert, indem Nachschuldner zum Ausbuchen gezwungen werden oder sie fliessen in die weitere allgemeine Aufschuldung ein, die dann immer wieder in einer systemischen Simplifizierung endet (Beseitigung von Schulden, Schuldnern und/oder Gläubigern), bevor ein neuer und noch grösserer Zyklus startet.
Dieser ist nur möglich,, wenn der Energiedurchfluss im System Sonne-Erde-Weltall weiter aufrecht erhalten bleibt, so dass durch die dissipativen Strukturen auf der Erde (Lebewesen) ausreichend Exergie/“Negentropie" verschafft und Anergie/ Entropie entsorgt werden kann und sie komplexer, kritischer und vermögender werden können (Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik).

Wenn es keine Verbesserungen mehr gibt, dann endet der Debitismus und den
Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

Der Debitismus stagniert dann nur an diesem Ort und in dieser Zeit mit allen negativen Konsequenzen bis dieses System zusammenbrechen muss und einem konsequenter debitistisch durchgesetzten System Platz machen muss.
Am Ende steht die totale und allgemein akzeptierte Entmächtigung aller Systemelemente (Machttheorie) durch das System, die keins der Systemelemente mehr bemerken wird (Simulationstheorie).

Sozialismus bedeutet, das es keine Innovationen mehr gibt, sondern das
alte Zeug so lange verwendet wird, so lange noch irgendjemand Rohstoffe
besorgen kann.

Das kann wegen der Umweltveränderungen (kontinuierliche, zyklische, periodische und singuläre) überhaupt keinen Bestand haben, wie die Pflanzen- und Tierwelt samt Massensterben und die Entstehung und Entwicklung der Menschheit auch beweisen.

Die Spezies Menschheit rennt, wie jede andere Spezies auch, auf einem ruckelnden, zuckelnden Laufband mit sich ständig verändernder Geschwindigkeit und Auslenkung.
Damit sie nicht bei Abbremsungen vorne drüber saust, bei Beschleunigungen hinten runter fällt und bei Schwankungen seitwärts ab kippt wird sie immer alle Befähigungen zu debitistischem Agieren in sich weiter tragen müssen und dieses auch tun, um nicht zu verschwinden.

Der Trabbi, der in der DDR bis 1989 produziert wurde,
basierte auf der Technologie der 20er Jahre. Die DDR hatte bloß Glück,
dass die UDSSR Treibstoffe liefern konnte bis zum gehtnichtmehr, sonst
wäre ihr bereits damals nichts anderes übriggeblieben als auf
Pferdefuhrwerke umzustellen und mit Braunkohle betriebene Eisenbahnen.

Das war kein Glück sondern eine vom Mächtigeren erzwungene Symbiose zweier Systeme, die beide zum Scheitern verurteilt waren (DDR wurde von den Sowjets sehr ausgeplündert und hat den Ressourcenreichtum des grossen Bruders ausgenutzt, indem z.B. Erdölveredelungsprodukte heimlich an den Westen weiter vertickert wurde), weil sie grundlegende debitistische Gesetzmässigkeiten durch ihre geistigen Tiefflieger wie Marx, Engels, Lenin und Stalin nicht berücksichtigt haben - Schaffung und Garantierung von Privateigentum, um den Staat in jedem einzelnen Systemelement auf Freiwilligenbasis installieren zu können und den gefühlten Zwang zu minimieren.

Das hatte auch dein O.Spengler nicht auf dem Schirm sondern öffentlich einzig und allein der @dottore, aufbauend auf der Bremer Schule, die in die Bedeutungslosigkeit ab gekippt ist (Heinsohn, Steiger und ihre Schüler haben sich gegen das Debitismuskonzept gewehrt, wie der sprichwörtliche Teufel gegen das Weihwasser), und seine Mitstreiter, von denen @Ashitaka am meisten die wesentlichen Teile der "Unvollendeten" - der Machttheorie - nachgereicht hatte und weiter nachreichen wird.

Liebe Grüße
Silke


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